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Warten

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Das Geheimnis des Herzes: Kapitel 2

Kann es etwas anderes sein als Liebe, wenn Du ununterbrochen an jemanden denkst und die Tage zählst bis Du ihn wieder siehst?

Natürlich. Tage zählen ist ein weitverbreitetes Phänomen. Auch hier auf dem Blog ist einer. Aber warum tun wir das eigentlich?

Tage sind immer sehr viele. 365 hat das Jahr. Das kann man sich gar nicht vorstellen, wie lange das dauert, oder? Aber wenn man mal auf das letzte Jahr zurück blickt, merkt man, dass 1 Jahr dann doch ganz schön schnell vorbei geht.
Wie vieles andere ist Warten eine Sache, die immer schwieriger erscheint, als sie dann tatsächlich ist. Ist es aber gut und richtig die ganze Zeit nur zu warten?

Worauf wartest Du? Hast Du schonmal fast 300 Tage auf eine einzige Stunde gewartet? Oder ein ganzes Jahr? Eine Stunde, in der man versucht so viel wie möglich aus der kleinen Welt zwischen den zwei Spiegeln aufzusaugen und das, ohne dass die Welt sich um Dich herum alleine weiter dreht und Du Dich vollkommen verlierst?

Von so etwas kann man sehr lange zehren, aber was für eine Zeit ist das, in der man nur wartet? Also, warum tun wir das eigentlich?
Leben wir für das Leid?
Wenn man zu viel wartet, vergisst man die Gegenwart. Die Tage werden immer leerer und dauern immer länger. Es geht einem schlecht und die meiste Zeit ist es nur wahnsinnig schwer. Vorfreude mag die schönste Freude sein, aber die setzt nur unmittelbar davor ein. Und manchmal vergisst man sie auch komplett, weil man es gar nicht wahrhaben will, und dann stürzt alles über einem zusammen. Wenn man ein ganzes Jahr lang warten muss und dabei alles andere vergessen würde, das Glück, das Leben, die Luft zum Atmen verlieren würde, fiele Vorfreude sehr schwer.
Und was passiert, wenn man so lange gewartet hat und es dann doch nichts bringt? Ich sage immer, dass keine Zeit verschwendet sei, aber diese wäre es dann beinahe.

Aber anstatt nur darüber zu schreiben, wie ungesund es ist, sein Leben mich nichts anderem als Warten zu verbringen, möchte ich darüber schreiben, wie man das Warten übersteht.
Ich weiß, dass viele von euch warten. Ihr wartet darauf, eure Lieblingsmenschen wieder zu sehen, ihr wartet auf die Motivation, gutes Wetter, darauf, dass sie zurückschreibt, dass eure Probleme sich auflösen oder dass euch die große Liebe über den Weg läuft.
Ob Dinge früher oder später passieren, ändert an diesen Dingen nichts. Worauf es ankommt, ist, was man selbst in der Zeit bis dahin getan hat. Nur dann hat es sich wirklich gelohnt zu warten.

Also – Hobbies pflegen, arbeiten, sich weiterentwickeln. Besonders, wenn man sich wiedersieht, will man sich doch etwas zu erzählen haben, oder nicht? Und, was machen die Menschen eigentlich, auf die ihr wartet? Warum lassen sie euch warten? Meistens haben sie ihre ganz eigenen Probleme zu bewältigen, in den wenigsten Fällen entscheidet sich jemand bewusst und gewollt dazu, jemandem einfach von jetzt auf gleich und aus heiterem Himmel keine Zeit mehr zu schenken. Umso wertvoller ist es dann, wenn man doch ab und zu Rückmeldung erlangt. Dann muss man aber auch zeigen, dass man sich trotzdem für die Zeit des anderen interessiert, auch wenn sie ohne einen selbst verbracht wurde.
Es ist immer viel einfacher, wenn man weiß oder zumindest eine grobe Ahnung hat, was beim anderen passiert. Merkt euch das dann auch. Niemand hat Lust, sich regelmäßig bei jemanden zu melden, dem man dann ständig die gleiche Geschichte erzählen muss.

Warten ist aber auch ganz oft ein schöneres Wort für Prokrastination. Warten erzeugt den Anschein, man könne den Prozess nicht beschleunigen, so wie wenn man darauf wartet, dass das Wasser anfängt zu kochen oder, dass ein Baum Früchte trägt. So ist die Metapher der Früchte meiner Arbeit nicht ganz treffend. Obwohl man sich selbst Zeit geben muss, um zu wachsen und zu reifen, und oft Geduld haben muss, bis man Ergebnisse sieht, gibt es niemals ein statisches Warten.

Das kennen wir alle, man wartet gerne darauf, dass Dinge von alleine passieren. Manches passiert auch nur von alleine, das stimmt, aber gerade diese Dinge passieren meistens nur, wenn man es eben nicht erwartet.
Aber manches passiert eben nicht von alleine. Dann muss man entweder etwas tun oder aufhören darauf zu warten oder sogar einsehen, dass man es gerade vielleicht gar nicht braucht.

Wer wartet, der wartet nur länger. 🙂

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