Allgemein

Aufräumen #07

Hier kommt mal ein Beitrag, den ich nach dem tatsächlichen Aufräumen verfasse. Ich miste nämlich gerade einen Schrank aus. Und neben Erinnerung an so ungefähr mein ganzes Leben und die Schulzeit, habe ich eine Sache gefunden, die mich gerade wiedermal ein bisschen aus der Bahn wirfst und die viel mehr als eine Erinnerung ist. Erinnerungen gehören nämlich zum Gestern. Aber das hier ist noch ein Teil von meinem Heute.
Ungefähr um diese Zeit jetzt, habe ich vor einem Jahr schonmal einen Rückblick gemacht. Allerdings völlig anders. Ganz privat, in einem kleinen Büchlein, dass nur mein engster Vertrauter damals, Mg., hätte sehen sollen.
Das Jahr 2016 hat mein Leben verändert, das hatte ich im Januar 2017 verstanden. Jetzt, ein Jahr später, bin ich schockiert, wie anders ich auf manche Dinge blicke und wie anders die Dinge überhaupt schon wieder geworden sind. Deshalb teile ich mit euch diese Liste an Ereignissen, Erinnerung, die mein 2016 ausmachten und im Jahr 2017 teilweise blieben, aber zu einem großen Teil Stück für Stück auseinander fielen.

Mittwoch, 20. Januar 16 League of Legends. Ein Youtube-Format von Mn., bei dem ich anscheinend mit gespielt habe. Als ich diese Liste verfasste habe, weiß ich noch, hatte ich einen alten Chat mit meinem damaligen Freund gefunden, wo ich ihm davon erzählt hatte. Ansonsten hätte ich das Datum nie mehr gewusst. Überhaupt kann ich mich an wenig bis nichts von Mn., bevor ich ihn tatsächlich kennen gelernt habe, erinnern. Auch heute wurde mir erst klar, dass ich ihn davor schon gekannt haben musste, weil in meinen Schulsachen teilweise Zitate von ihm standen, aber vermutlich wusste ich nie wie er aussieht oder was sein richtiger Name ist, weshalb er ab August 2016 wie ein ganz anderer Mensch für mich exisistierte – was bei allem, was passiert ist, ja auch irgendwie passend ist. Deshalb hatte dieser Tag auch erst dann eine Bedeutung. Faszinierend, oder? Ich fand es außerdem sehr amüsant, dass ich mir damals schon Sorgen um ihn gemacht hatte, weil er irgendwie erkältet war oder sowas. Obwohl er da noch irgendjemand war.

Montag, 25. – Mittwoch, 27. Januar Die Musikfahrt. Muss ich dazu noch irgendetwas sagen? Eigentlich nicht, aber hier habe ich, glaub ich, noch nie so wirklich darüber geschrieben. Allerdings bietet das Stoff für einen ganz eigenen Beitrag. Jedenfalls waren wir da noch unbeschwert und glücklich. Es war nicht die letzte Musikfahrt und ich hatte auch nicht mit all den Sachen zu kämpfen, die dann im Jahr darauf kamen – siehe Aufräumen #04.

Fasching

Dienstag, 02. Februar 16 Fasching. An meiner Schule wurde jedes Jahr im Februar die sogenannte Spirit Week veranstaltet – eine Woche, in der es jeden Tag 2 Themen gibt, zu denen die Oberstufe sich verkleidet. Außerdem wird am Dienstag ein Volleyballtunier in der Turnhalle veranstaltet. Die Teams stellen sich aus Oberstufenschülern, Ehemaligen und sogar Lehrern zusammen. Die ganzen letzten Jahre hatten wir uns so sehr drauf gefreut endlich in der Oberstufe zu sein um teilnehmen zu können. Demnach war das ein echt toller, wenn auch anstrengender Tag. Bis auf meine beste Freundin Tami habe ich zu niemandem mehr aus diesem Team wirklich Kontakt, bei den meisten weiß ich nicht mal, was sie jetzt machen, was eigentlich echt schade ist.

Köln1

Freitag, 27. & Samstag, 28. Mai 16 Köln. Da bin ich zum ersten Mal in meinem Leben nach Köln gefahren. Der ursprüngliche Plan war alleine zur RPC zu fahren, allerdings war ich mit dem Führerschein noch nicht fertig und hatte auch etwas Angst, deshalb war ich mit meiner Mama zusammen. Wir hatten das absolut abgeranzteste Zimmer, das man sich vorstellen kann, im abgeranztesten Stadtteil von Köln. Als wir an unserem ersten Abend stundenlang nach einer Pizzeria (in Mühlheim gibts nur Dönerbuden) gesucht haben, wurden wir Zeugen eines monsunartigen Regens und eines Polizeieinsatzes direkt vor dem Imbiss, in dem wir dann letztendlich gegessen haben. Ich wollte wieder nach Hause fahren, ehrlich. Es war schrecklich.

Köln2

Aber am nächsten Morgen kaufte Mama sich spontan auch ein RPC-Ticket, wir waren zusammen auf der Messe, danach am Rhein spazieren und essen und es war es absolut wert. Ich habe mich in die Stadt verliebt. In meinem Rückblick steht auch, dass ich an diesem Tag C. zum ersten Mal gesehen habe. Es war etwas besonderes. Es ist traurig, dass sie so viel schlechten Einfluss verübt hat, anstatt mein Leben zu bereichern, wie ich dachte. Aber es ist okay, es ist trotz allem noch was besonderes.

London

Montag, 4. – Freitag, 9. Juli London. Von allen Studienfahrten in der elften Klasse war das mit Sicherheit die mit dem besten Ziel. London ist eine wunderbare Stadt und, auch wenn ich nicht weiß, wann ich mir jemals wieder leisten können werde dort hin zu fahren, kann das nicht das einzige Mal gewesen zu sein. Hinzu kommt, dass ich mich auf dieser Fahrt mit Ml. angefreundet habe, ein Mädchen aus meinem Jahrgang, die ich schon lange kannte und interessant fand, aber es hatte sich nie zuvor etwas ergeben. Auch wir haben inzwischen keinen Kontakt mehr, aber das ist okay, weil wir einfach beide mit unserem eigenen Leben beschäftigt sind. Wir haben uns nie gestritten, uns nicht auseinander gelebt, weil wir uns nicht mehr leiden konnten – einfach eine Freundschaft für einen Sommer. Und ich weiß, dass wir uns immer noch aufeinander verlassen können.
Es war für mich ein bisschen schwer in London. Nachdem ich meine Therapie im Frühling 2015 relativ schnell abgebrochen habe, war die Depression halt immer noch da und es war oft einfacher sich von Menschen zu distanzieren. Die vielen Leute auf so engem Raum – wir waren in einem Sechs-Bett-Zimmer – und das auch noch den ganzen Tag über ohne wirkliche Rückzugsmöglichkeiten waren anstrengend. Zudem herrschte zwischen meiner besten Freundin und mir eher peinliche Stille, weil sie sich an die Gruppe hängte, auf die ich aber einfach keine Lust hatte. Alles super nette Menschen aus meinem Kunstkurs, aber wie gesagt, es war mir einfach zu viel alles. Vor allem an dem Abend wo dann das obligatorische Saufen losging. Ich habe mich selbst überzeugt mitzugehen, einmal bei den Coolen dabei zu sein, aber nein danke, also nutze ich schließlich die Gelegenheit endlich mal alleine zu sein, auf dem leeren Zimmer zu sitzen und mit Musik auf den Ohren zu zeichnen.
Das war dann der Moment, wo Ml. mich gefunden hat.
An der Stelle will ich einfach mal Danke sagen. Vermutlich hab ich mich sofort zu Dir hingezogen gefühlt, als ich die Gelegenheit mehr Zeit mit Dir zu verbringen gesehen habe – bei der Zimmereinteilung hatte ich schon gesagt, dass ich Dich gerne dabei haben würde, aus irgendeinem Impuls heraus – weil mein Queer-Radar irgendwoher wusste, dass du auf Frauen stehst und ich einfach mal nicht mehr alleine war. Das war auch der Grund, warum ich Dir in einem stundenlangen Gespräch, auf dem Boden sitzend mit Früchten und Chicken Nuggets, von meiner ersten Freundin erzählt habe. Und als es dunkel war, sind wir nochmal raus um die Tower Bridge bei Nacht anzuschauen. Auf dem Heimweg haben wir uns verlaufen und nur, weil Du so unglaublich souverän wirktest, hatte ich keine Angst. Um 2 Uhr nachts sind wir dann erst wieder im Hotel gewesen, unsere Lehrer zum Glück zu besorgt um wirklich sauer zu sein. Aber es war eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Irgendwann im Laufe des Abends hattest Du mal gemeint „Wärst Du nicht vergeben, wäre das jetzt süß.“ Ich weiß nicht mehr, was ich da gesagt oder gemacht habe. Aber niemand hat danach gefragt und es war alles gut, wie es ist, und ist es heute noch.

Samstag, 16. Juli Tami’s 18. Der eigentliche Geburstag war ja am Montag – ich weiß noch, wie Du da nicht in der Schule warst, um mehr Zeit mit Deinem Schatz zu haben, das bringt mich gerade echt zum Schmunzeln. 😀 Das war wirklich schön. Ich hatte zuvor ein bisschen Angst, weil ich Parties und die Coolen und, was sie dort tun, nicht mag, aber irgendwie… alles woran ich mich erinnern kann, ist, dass wir unglaublich viel geredet, gelacht und getrunken haben, und auch dass ich mal die Gelegenheit hatte Tami’s damals noch relativ neuen – Mensch, ist das lang her – Freund kennen zu lernen, auch wenn wir davor schonmal so Doppeldate-mäßig mit meinem damaligen Freund essen waren. Du warst einfach so glücklich, Tami. Deine Freunde, deine Familie, alles waren da. Du hattest so einen unfassbar coolen Kuchen. Außerdem ist es die letzte glückliche Erinnerung, die ich von meiner damaligen Beziehung habe. Mittlerweile denke ich, dass wir uns schon viel früher hätten trennen sollen, aber das war ein Abend, da hat es sich nochmal gelohnt, Sinn gemacht.

Montag, 08. August Single. Kurze Zeit später. Ich habe knapp eine Woche gebraucht, um zu realisieren, dass es wirklich das richtige war. Ja, das ist extrem kurz. Und die drei Wochen zu dem, was danach passierte, sind auch extrem kurz. Aber wem schadet’s? Ich hab schonmal jemandem sehr viel länger hinterher getrauert und es bringt absolut nichts. Außerdem muss man sagen, dass ich verlassen, aber aufgefangen wurde. Er hat dieses Gespräch, was man hinterher mit einem Freund führen muss um aufgebaut zu werden, quasi gleich selbst übernommen, was vermutlich auch der Grund dafür ist, dass wir hinterher irgendwann wieder Freunde geworden sind. Und dann war da noch Ml. Das ist auch, worüber ich eigentlich schreiben will, nicht über meine Trennung. Durch sie wurde das nämlich eine Nacht, wie ich es echt nicht gedacht hätte. Danach kamen noch ein paar Tage, wo ich geheult habe, aber erstmal hat sie mich abgeholt und wir sind zu einer alten Freundin gefahren, wo wir getrunken und Musik gehört haben. Aus irgendeinem Grund war ich glücklich? Befreit? Jedenfalls ist das die beste Beschäftigung, die man sich nach einer Trennung suchen sollte. Am nächsten Morgen fuhr ich nach Hause und wir hatten uns schon fürs Kino verabredet. Ich weiß nicht mehr, welchen Film wir gesehen haben, aber es gibt diese eine Straße in unserer Stadt, die wir damals langgefahren sind und da muss ich immer noch an Dich denken. Und wie du mich abends nach Hause gebracht hast und wir mit unserem Milchshake noch ewig im Auto saßen und geredet haben, während es geschüttet hat. Wie wir am letzten Schultag Eis essen waren. – Du hast meinen Sommer versüßt. 🙂

Mittwoch, 17. August Roadtrip nach Köln. Es war eine relativ kurzfristige Entscheidung, zusammen mit Mr. zur Gamescom zu fahren. Meine Begleitung hatte abgesagt, seine ebenfalls. Er hatte den Führerschein, ich ein Auto – Roadtrip! Und holy shit, war das geil. Es war so verdammt warm, ich saß echt halb nackt im Auto und Du musstest sogar am nächsten Tag feststellen, dass Dein linker Unterarm brauner geworden war, als der recht, weil da eben immer die Sonne reingeschienen hat. 4 Stunden im Hochsommer nach Köln zu fahren ist wahnsinnig anstrengend und ich bin Dir so, so dankbar, weil ich ohne Dich gar nicht hingekommen wäre. Denn so konnte ich nicht nur meine Herzensstadt wieder sehen und eine wundervolle Woche mit Dir verbringen, die uns zusammen geschweißt hat, sondern ich habe Mn. getroffen. Und auch, wenn Du mich danach nur veralbert hast, als ich von ihm geschwärmt habe, und Du – da wir uns aus den Augen verloren haben – auch absolut keine Ahnung hast, was das alles ausgelöst hat, habe ich es dennoch Dir zu verdanken. Schon seltsam irgendwie. Durch Dich bin ich auf die Gamescom und durch C. auf den Ts gekommen, wo Mg. mich schließlich integriert hat. Alles Menschen, mit denen ich heute spärlichen bis gar keinen Kontakt mehr habe. Als hätte ich euch wie Trittsteine benutzt, die dann im Boden versunken sind, außerhalb meiner Reichweite. Das ist vermutlich dieser Schmetterlingseffekt. Aber auch sonst, Mr., danke für unseren Roadtrip und vor Allem auch, dass wir die Autopanne am Samstag überstanden haben und Du uns am Montag auch wieder heil nach Hause gebracht hast. Es war eine wirklich schöne Zeit, wie wir im Auto gesungen haben, Abends Let’s Plays geschaut und Pizzabrötchen gegessen haben und teilweise sogar Arm in Arm eingeschlafen sind.

Mauli

Und auch die Woche nach der Gamescom, als ich spontan noch mit zu Dir gefahren bin, hat den Sommer gerettet. Steakhouse mit Deiner Schwester und Deiner Mutter, die sich dauernd Sorgen machte, dass zwischen uns was laufen würde, was echt wierd gewesen wär, da Du der beste Freund meines Ex warst. Kletterpark mit zwei Deiner Freunde, danach auf einem Steg am See in der Sonne sitzen und die Füße ins Wasser hängen. Nachts in den Pool gehen und feststellen, dass es viel kälter ist, als man sich vorgestellt hat – aber hey, das muss man mal gemacht haben! Morgens von Dir geweckt werden, Smoothies trinken, grillen. Ich war nicht alleine, ich musste mich nicht sofort mit all den verwirrenden und so falsch erscheinenden Gefühlen beschäftigen, nachdem ich Mn. getroffen hatte. Es war ein wunderschöner Sommer, dank Dir. Irgendwie war etwas komisch zwischen uns, aber manchmal vermisse ich Dich, um ehrlich zu sein. Ich werd Dich auf jeden Fall nie vergessen.

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