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Aufräumen #06

Als ich mir das Konzept von „Aufräumen“ überlegte, habe ich nicht gedacht, dass ich über Dich schreiben würde. Überhaupt denke ich sehr selten an Dich. Aber eben immer noch, nach all den Jahren, beinahe 7 Jahre ist es her, dass ich Dich kennen gelernt hab. Und fast 6, seit wir uns endgültig verabschiedet haben. Meine beste Freundin hat von allem erst lange Zeit später erfahren und hasst Dich seitdem für das, was Du mir angetan hast. Und auch diejenigen, denen was an mir liegt, die Dich aber absolut nicht kennen, werden Dich vermutlich hassen. Das tut mir leid, denn ich hasse Dich trotz allem nicht.

Du warst meine erste Liebe und so jemanden kann man doch niemals hassen, oder? Und niemals vergessen.

Lr.

In der siebten Klasse war es für mich und meine Banknachbarin schon Standard geworden den Unterricht mit RPGs schreiben und Zeichnen unterhaltsamer zu gestalten. Wir saßen in der ersten Reihe, weshalb die Blicke der Lehrer uns meistens übergangen, aber dann kam halt doch der Moment, wo irgendjemand keinen Bock mehr hatte und wir auseinander gesetzt wurden. Ich musste mit jemandem aus der dritten Reihe tauschen, der dann neben ihr saß – und ich neben Dir, Lr.

Wir haben uns sofort gut verstanden. Du wohntest zwei Orte weiter als ich, so konnten wir jeden Tag mit dem Bus zusammen nach Hause fahren, ab und an blieben wir sogar länger und kauften uns noch Schokolade im Supermarkt. Wir schauten Filme, dachten uns Geschichten aus, drehten improvisierte Videos mit Deinem Puppenhaus, kochten, spielten mit Deiner Katze, machten Eis selber, gingen spazieren – wir wurden beste Freundinnen.

Aber wir wurden halt auch älter. Und das bedeutete, während es in der Klasse das erste Pärchen gab, die Jungs realisierten, was Brüste sind, die Mädchen die Bravo lasen und Du eben auch anfingst Dich zu fragen, wie das wohl ist jemanden zu küssen, habe ich irgendwie überhaupt kein Interesse verspürt.

Und zwar, weil ich, auch wenn ich lange gebraucht habe das zu verstehen, nur Augen für Dich hatte. Und Du hast mich geködert.

Ja. Ich weiß nicht, ob ich einfach so bin oder ob das durch Dich so geworden ist, aber die Vorstellung jemandem eine Erfahrung zu schenken, eine Spur zu hinterlassen, übt eine Anziehung auf mich aus, gegen die ich nichts tun kann, und ich bin auch nicht stolz darauf bei wie vielen Menschen, bzw. viel mehr unter welchen Umständen ich so eine Spur hinterlassen habe. Ich mag es nicht. Aber es ist so passiert.

Wie ist das wohl, so ein Kuss?

Hat sonst noch wer so viel darüber nachgedacht? Ist das so ein Teeny-Ding, dass man unbedingt seinen ersten Kuss haben will? So wie es ein Twenties-Ding ist, dass man unbedingt nicht mehr Single sein will? Ich finde es etwas befremdlich, wenn ich genauer drüber nachdenke. Ich mein, wer spricht das schon laut aus? „Wie ist das wohl, so ein Kuss?“

Ich kann’s Dir ja zeigen.

Das ist ein Satz, wo ich noch viel mehr zweifeln würde, ob das wirklich irgendwer jemals laut ausspricht. Aber ich habe das tatsächlich zu Dir gesagt. Irgendwann kam der Moment, da hab ich es einfach gesagt. In der Pause, auf der Mädchentoilette der Schule, wo wir uns aus irgendeinem Grund immer zuzweit in der Behindertenkabine eingeschlossen haben. Anfangs um unsere Wimperntusche aufzufrischen oder schnell noch irgendwelche Hausaufgaben zu machen, ab diesem Moment dann auch für andere Dinge, die niemand sehen sollte. How much more Anime can this get? Damit habe ich so viel gutes und so viel Scheiße losgetreten, aber egal ob es jetzt richtig oder falsch war, es gibt immerhin eine gute Geschichte ab, haha.

Ich hab mich natürlich schon eine ganze Weile lang zu Dir hingezogen gefühlt, aber als wir uns dann geküsst haben, hab ich gemerkt, da ist definitiv mehr.

Witzigerweise kam ich mir trotz homophobem Elternhaus überhaupt nicht falsch oder verwirrt vor, weil ich mich in ein Mädchen verliebt hatte. Das lag vermutlich daran, dass ich pansexuell bin und das Geschlecht daher für mich absolut keine Rolle spielt, aber von sowas hatte ich damals natürlich noch überhaupt keine Ahnung.

Awkward war das ganze nur, weil wir beste Freundinnen waren und das jetzt auf einmal komplizierter wurde. Wir haben ein paar Tage auch erstmal nicht drüber gesprochen, geschweige denn überhaupt wirklich über irgendetwas. Allerdings haben wir uns dann tatsächlich wieder nach der Schule bei Dir zu Hause getroffen und Du hast das Thema dann angesprochen. „Was ist das jetzt zwischen uns?“ „Ich muss ständig an letztens denken“ – bla, bla, ihr kennt das ja. Also vermutlich nicht. Weil sowas passiert doch nicht im echten Leben! Aber manchmal halt schon. Ihr könnt euch dran gewöhnen, weniger klischeehaft wird die ganze Geschichte nicht mehr werden.

Jedenfalls kamen wir dann zu dem Entschluss, dass wir es einfach versuchen würden, sehen, wie wir zusammen funktionieren. Gut, ein Klischee haben wir damit ausgelassen: „Nein, ich will die Freundschaft nicht aufs Spiel setzen.“ – Das ist sowieso auch kompletter Bullshit. Was die Freundschaft aufs Spiel setzt, sind Gefühle, und die gehen nicht weg, nur weil man ganz normal weiter macht!

Also haben wir’s probiert. Und es hätte vielleicht funktionieren können, aber es war einfach viel zu schwierig. Und mehr als etwas probieren war es für Dich ja auch gar nicht, wie ich inzwischen weiß.

Da waren zwei Freundinnen von Dir, die meinten Du würdest ihnen zu wenig Zeit schenken. Die eine schnüffelte uns sogar hinterher und ich schwöre, hätte sie etwas herausgefunden, hätte sie es überall rumerzählt. Ich hätte vielleicht nichtmal ein Problem damit gehabt, da ich mir ja wie gesagt, sowieso nicht irgendwie unnormal vorkam. Wir wollten es sogar mal einfach öffentlich machen. Aber wenn man bedenkt, dass Du Dich dann sogar beim Händchenhalten auf dem so gut wie leeren Schulhof unwohl gefühlt hast und die zwei Freundinnen von mir, die es dann doch mal rausgefunden haben, eher weniger verständnisvoll waren, war das wohl gut so, dass es geheim geblieben ist.

Dann waren da noch meine Eltern, die überhaupt nicht einsehen konnten, warum ich ständig nach der Schule bei Dir sein wollte oder auch noch am Wochenende und über Nacht. Manchmal haben sie es mir einfach grundlos verboten, obwohl sie am Tag zu vor noch Ja gesagt hatten, und ich musste Dir grundlos absagen. Ich musste Dir absagen, auch wenn wir uns in der Mitte mit dem Fahrrad getroffen haben und Du im Fernsehkeller ein Kuschelparadies vorbereitet und Kuchen gebacken hattest. Ich musste Dir absagen, auch wenn wir uns so sehr gefreut hatten, das Haus mal für uns zu haben. Das tut mir wahnsinnig leid und ich verstehe, dass niemand das lange mitmacht. Du hast nie verstanden, warum ich mich nicht einfach mal durchgesetzt hab.

Ich war einfach unsicher und schwach. Meine Eltern konnten Dich aus irgendeinem Grund nicht leiden, meine Freunde konnten Dich auch nicht leiden, ich habe Dich geliebt, aber niemand hatte auch nur die Möglichkeit, das zu verstehen. Ich bin mit manchen Lehrern angeeckt, was immer damit geendet hat, dass ich als die komische Heulsuse dastand. Ich hatte Depressionen und als Du herausgefunden hast, dass ich mich selbst verletze, zwangst Du mich und noch eine Freundin von mir mit dem gleichen Problem zur Schulpsychologin zu gehen, wo wir mehr oder weniger erpresst wurden, zu versprechen damit aufzuhören, nachdem sie die richtigen und ich offenbar die falschen Antworten gegeben habe. Ich fühlte mich komplett entblößt und allein und auch Du, wo Du ja eigentlich helfen zu wollen schienst, hast danach kein Wort mehr darüber verloren, kein Zeichen von Interesse gezeigt.

Immer wieder hast Du gesagt, dass Dir das doch zu viel wird und Du lieber nur Freunde sein würdest. Aber Du warst das wichtigste was ich hatte und ich war verliebt wie am ersten Tag und Du hast immer weiter mit mir geflirtet, sodass es ein ständiges zusammen und auseinander wurde. Und ich dachte ich könnte alles ertragen, weil ich Dich so sehr gebraucht habe.

Irgendwann habe ich mich ein paar Mal mit einem Jungen aus unserer Klasse getroffen, aber als wir am Valentinstag Eislaufen waren und er mich küssen wollte, konnte ich einfach nicht, ich wollte absolut nicht, er war ein Junge und ich war immer noch so verliebt in Dich. Ich war feige und habe ihn so lange hingehalten und zappeln lassen, bis er schließlich von alleine keinen Bock mehr hatte. Das war scheiße. Ich konnte Dich nicht loslassen. Ich bin immer wieder zu Dir zurück gekommen, ich habe Dich so vermisst, nur Freunde war einfach nicht genug. Aber Du hattest dann schließlich auch einen Freund. Et. Über ihn schreibe ich später noch. Du hast auch angefangen Dich für Sex mit einem Kerl zu interessieren. Aber ich wollte nur Dich, mir war das alles egal. Ich konnte Deine Fragen nicht mehr beantworten, ich konnte Dir nicht mehr die Erfahrung schenken, nach der Du gesucht hast.

Wir hatten dieses Gespräch, wo ich Dir gesagt habe, dass ich immer noch Gefühle für Dich habe. Ich habe Dich angelogen. Ich habe gesagt, ich wäre schon nah dran, wieder so sehr in Dich verliebt zu sein, wie als wir zusammen waren, aber dass das schon weggehen wird und ich damit klarkomme. Du fragtest „wie nah?“ und ich fand das so verwunderlich, dass ich spaßhaft meinte „Naja, so zu 50%“ – so entstand dieser Running Gag zwischen uns, als Du merktest, dass man sowas nicht so genau messen kann. Du lachtest und meintest, dass ich Dich warnen soll, wenn es 100% werden, dann müssten wir etwas ändern und können nicht so weitermachen. Ich habe das so verstanden, dass Du mich nicht verletzen wolltest und auch die Freundschaft deshalb nicht aufgeben. Aber warum konnte ich nicht sehen, dass Du mich die ganze Zeit über verletzt hast? Dass diese Freundschaft mich verletzt hat?

Du hast einfach nicht aufgehört mich zu ködern. Obwohl Du mich gar nicht wolltest. Die 50% wurden immer, immer mehr und Dein Freund hatte mit Sicherheit absolut keine Ahnung, wie Du mich behandelt hast. Er hatte mit Sicherheit keine Ahnung, dass ich vor Dir in der anderen Hängematte von den zwei in Deinem Wohnzimmer saß, als Du mit ihm telefoniert und euer Wochenende geplant hast. Er hatte keine Ahnung, dass wir herumgealbert haben, nachdem Du aufgelegt hast, irgendwie runtergefallen sind und Du auf mir saßt, als ich mir den Kopf angeschlagen hatte und mich panisch begutachtetest, ob alles okay war. Er hatte keine Ahnung wie wir gelacht haben und Du viel zu lange da saßt und Dich runtergebeugt hast, Deine Haare mich umgeben haben und ich überzeugt war, Du würdest mich gleich küssen, den Moment aber mit der Aussage „100%.“ zerstört habe.

Ich konnte so nicht weitermachen, das wusstest Du. Aber Du hast keine Entscheidung getroffen. Ab da sind wir irgendwie in eine Freundschaft+ abgedriftet, Du hast ihn mehrfach betrogen und mir war es egal, weil ich Dich geliebt habe und weil ich wahrscheinlich irgendwie dachte, dass Du mich auch noch liebst, aber gerade einfach verwirrt bist. Ich war dumm. Ich hab einfach abgewartet, dass sich etwas ändern würde, einfach weiter ausgehalten. Du hast Dich irgendwann von Et. getrennt, was aber irgendwelche anderen Gründe hatte, die ich nie verstanden habe. Zwischen uns hat das aber nichts geändert, im Gegenteil, immer seltener bekam ich Deine Nähe. Ich konnte es irgendwann nicht mehr ertragen, etwas mit Dir zu unternehmen, während andere Leute dabei waren, spätestens, nachdem wir mal in der Gruppe im Schwimmbad waren. Ich hatte viel zu viel Angst, dass irgendjemand bemerkt, wie ich Dich ansehe. Ich war viel zu eiffersüchtig, wenn Du anderen mehr Aufmerksamkeit schenktest als mir. Deshalb habe ich mit einer blöden Ausrede Deinen Geburtstag abgesagt, weshalb Du Dich dann endgültig von mir getrennt hast. Wir haben lange gestritten, aber ich hab Dich verloren.

Du bist mich losgeworden. Wir waren in einer Zeit, in der man herausfinden muss, wo man hingehört und Du wolltest zu den Coolen gehören. Ich war eben bei den anderen. Und ich war allein. Ich hatte zwar Freunde, aber ich hab mich allein gefühlt. Die Schule wurde schlimmer, meine Eltern wurden schlimmer, die Depressionen wurden schlimmer. Und mit niemandem konnte ich reden. Auch nicht über Dich und wie sehr Du mir fehltest. Wie sehr es mir wehtat, wenn Du mich ausgelacht oder über mich geredet hast. Meine Clique bestand aus zwei Mädchen und einem Jungen, den ich aus dem Orchester kannte, von dem gefühlt der ganze Jahrgang behauptete, dass er und ich ja das absolute Traumpaar abgeben würden. Da das queermeter aber tatsächlich exisitert, wusste ich damals aber schon irgendwie, dass er schwul ist, ich sagte ihm sogar mal, dass ich ihm mein größtes Geheimnis – Du – verrate, wenn er es irgendwann einsieht. Wahrscheinlich wusste er es da selber auch schon, hats nur nicht zugegeben. Demnach war das für uns beide absolut ätzend. So ätzend, dass wir irgendwann eine Beziehung erzwungen und mehr oder weniger gefaked haben, damit die Gerüchte mal Ruhe geben. So kam es also, dass ich mich auf den Kontakt mit jemandem, der mich relativ anonym auf Facebook angeschrieben hat, eingelassen habe. Ich war frustriert und eingeengt. Ich hab gemerkt, dass dieser Jemand mir sowieso nur an die Wäsche wollte, zumindest wirkte es anfangs so, aber ich habe mich drauf eingelassen, weil mir alles egal war. Ich wollte auch einfach etwas falsches tun, nachdem mir so viel falsches angetan wurde. Ich hatte immer noch absolut kein Interesse am männlichen Geschlecht, aber ich hätte dem ganzen eine Chance gegeben, weil es mir egal war. Ich hatte es ja nicht anders von Dir gelernt, oder? Ein Körper ist ja nichts anderes, als etwas, was man für Lust benutzen kann. Eine Beziehung ist ja nur etwas, was man mal ausprobieren möchte. Es war mir egal – bis dieser Jemand mir seinen richtigen Namen verraten hat. Es war Et. Dein Ex. Die Welt ist klein, nicht wahr?

Wir waren ins Kino verabredet, aber ich bin nicht hingegangen, nachdem ich das erfahren hab. Ich hatte weiß Gott nicht vergessen, was Du ihm angetan hast, und ich fühlte mich so wahnsinnig schuldig, es war aber auch zu spät den Kontakt einfach ohne weiteres abzubrechen, dafür waren wir schon zu nahe.

Also hab ich ihm schließlich gesagt, dass ich Dich kenne. Dass wir mal beste Freundinnen waren uns aber zerstritten haben. Das ist alles. Mehr hab ich nicht gesagt, ich konnte einfach nicht. Und ich dachte, er wüsste es vielleicht, dass ihr euch in Wahrheit deshalb getrennt habt. Aber er meinte nur, dass Du vielleicht nur darauf wartest, dass ich mich nochmal bei Dir entschuldige, dass ich weiterkämpfe. Er meinte Du würdest mir bestimmt noch eine Chance geben. Er hatte absolut keine Ahnung, was alles vorgefallen war.

Du hast irgendwie davon Wind bekommen, dass Et. und ich intensiveren Kontakt hatten, und hast mir darauf an eine Nachricht geschrieben. Ich habe mich zunächst wahnsinnig gefreut überhaupt von Dir zu hören, aber darin stand nur, dass ich mich in Acht nehmen soll. Dass Du denkst, ich wäre inzwischen schlauer, und würde checken, dass Et. mir nur an die Wäsche will. „Er hat schon mehr Mädchen gevögelt, wie Du überhaupt Freunde hast.“ Das waren Deine Worte. Ich hatte mir sowas natürlich vorher schon gedacht. Aber es hat mein schlechtes Gewissen etwas gelindert, es von Dir zu hören. Ich habe Dich ja noch geliebt, deshalb war Dein Wort heilig. Ich dachte, vielleicht hatte er es gar nicht anders verdient, dass Du ihn betrügst.

Ich hätte nicht auf Dich hören sollen.

Et. wurde anders. Unser Gespräche wurden länger, freundschaftlicher, vertrauter. Er hat wirklich angefangen mich zu mögen und ich konnte das absolut nicht ertragen. Irgendwann hörte ich auf einmal gar nichts mehr von ihm für mehrere Wochen, danach erfuhr ich, dass er im Krankenhaus war und wegen einer Alkoholvergiftung ins künstliche Koma versetzt werden musste. Er musste dann einiges erklären.

Dinge, von denen Du wahrscheinlich nichts wusstest. Eine Bürde, mit der Du nicht leben muss, aber ich schon.

Du hast ihn ohne eine vernünftige Erklärung verlassen. Du hast ihn gebrochen und er wusste sich nicht anders zu helfen, als seine Gedanken mit Alkohol und Sex zu betäuben. Er hat geweint. Er hat gesagt, Du seist die Liebe seines Lebens und dass er alles tun würde um Dich zurück zu bekommen. Er hatte niemanden, er hatte keinen Halt. Er mag sich vielleicht in mich verliebt haben, aber es war nicht das gleiche und ich konnte ihm nichts geben. Ich konnte ihm nicht mal sagen, dass er nicht allein damit war, von dir verletzt worden zu sein, weil ich mich so sehr geschämt habe.

„Ich muss den Kontakt abbrechen. Ich kann nichts erklären, es tut mir so leid. Ich liebe Dich.“

Das war das letzte, was ich von ihm gehört habe. Ich habe keine Ahnung, wo er ist, wie es ihm geht. Und auch, wenn ich diese Gefühle nicht teilen konnte, hat er mir etwas bedeutet, auch wenn es nur Mitleid war. Ich weiß nicht, was genau zwischen euch passiert ist, genauso wenig wie er irgendwas von uns beiden wusste, aber Du warst grausam.

Du warst grausam und ich hoffe wirklich, dass Du mich nicht vergessen hast. Du bist für mich nämlich einfach jemand, der mir mal das Herz gebrochen hat. Es tut manchmal immer noch weh, dass ich mich vermutlich auf ewig an Deine Stimme erinnern werde, Deinen Körper, Deinen Geschmack, Dein Engelshaar. Aber für Dich bin ich die erste Person, die Dich geküsst hat, die erste, die Dich gesehen hat, die Dich berührt hat, und ich weiß ganz genau, dass Du das niemandem erzählt hast. Damals hat es mich verletzt, dass Du Dich offenbar für mich geschämt hast, aber jetzt gibt es mir Genugtuung, dass ich Dir etwas weggenommen habe, dass ich eine Spur auf Dir hinterlassen habe, wegen der Du nicht ehrlich zu Dir selbst sein kannst, denn ich kann es sein.

Ich habe über Dich im Zug von Aufräumen geschrieben, weil ich Dich im Jahr 2017, auf das ich hier zurück blicke, wahrscheinlich zum letzten Mal gesehen habe. Du warst auf meiner Abiturfeier und hast meine beste Freundin und mich für unseren Gesangsauftritt gelobt. Und darüber hab ich mich gefreut, um ehrlich zu sein. Aber jetzt kann ich letztendlich vielleicht vergessen.

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